Tignale

Giovanni Beatrice wurde im April 1576 in Gargnano (Brescia), einem Dorf, das zu der so genannten Magnifica Patria della Riviera gehörte, geboren. In diesem territorialen und institutionellen Umfeld entstand zunächst das Epos über Zanzanù und später der Mythos, der die Ereignisse und seine Taten bis zum heutigen Tag überliefert hat.
„Mein Vater Giovanni Zannoni von der Riviera di Salò verdiente den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als Gastwirt. Viele Reisende, unter ihnen auch so mancher Deutsche, waren Gäste meines Vaters. Obwohl er stets ein ruhiges, gesetzes- und kirchentreues Leben geführt hat, wurde er von Personen aus unserem Gebiet frevelhaft niedergemetzelt“…
Mir diesen dramatischen Zeilen reichte Giovanni Beatrice, der am ganzen Ufer des Gardasees unter dem Namen Zanzanù bekannt war, im Juni 1616 seine direkte Bittschrift bei den Oberhäuptern des Rats der Zehn ein. Er bat darin, in der Hoffnung auf eine Amnestie, in seine Heimat zurückkehren zu dürfen.            Nach der Ermordung seines Vaters hatten Giovanni Beatrice und seine Familie, die zu den bekanntesten der Gemeinde Gargnano gehörte, beschlossen Blutrache zu nehmen. Auf das Konto der Zanzanù-Bande gingen schwere Straftaten, wie Morde und Entführungen. Die Ermordung des Stadtvogtes Ganassoni, die viel Aufsehen erregt hatte und an der Zanzanù indirekt beteiligt gewesen war, trug entscheidend zu seinem Ruf als Bandit bei.
Nach der Ermordung des Funktionärs im Dom von Salò im Jahr 1610 versteckte sich die Zanzanù-Bande in den Bergen von Tignale, da inzwischen offiziell nach den Gesetzlosen gesucht wurde. Schon bald befand sich die Bande in Geldnot, da es für sie immer schwieriger wurde, sich ans Ufer zu wagen, um dort Gold bei den reichen Händlern zu stehlen. In dieser dunklen Phase ließ sich der Bandit eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Methode einfallen, um an Geld zu kommen. Im Sommer 1616 schrieb Zanzanù direkt an die Konsularbeamten der verschiedenen Gemeinden und unterbreitete ihnen eine Art Friedensangebot, in dem er als Gegenleistung ein paar Dukaten verlangte. Tremosine beschloss ihn mit 150 Lire zu besänftigen. In Maderno dagegen war man vorsichtiger und gewährte ihm nur 25 Scudi, unter der Bedingung, sich in den Dienst der venezianischen Republik zu stellen. Natürlich hatte der Bandit nicht die geringste Absicht, dieses Angebot anzunehmen und verlor so das von Maderno angebotene Geld. Als im Jahr 1617 der Funktionär und Hauptmann Badoer der Zanzanù-Bande, die sich noch immer in den Bergen von Tignale versteckte, den Kampf ansagte, besiegelte er damit deren Schicksal.
Zwei Faktoren trugen dazu bei, das passive Verhalten der Bevölkerung von Tignale den Banditen gegenüber zu ändern: die Anwesenheit des Funktionärs Badoer und die Entführung von Giovanni Cavaliere, eines reichen Grundbesitzers aus Tignale.
Im Sommer 1617, genauer gesagt in der Nacht vom 16. zum 17. August, stieg Zanzanù mit 5 Gefährten von den Bergen in das Dorf Gardola hinunter und übernachtete dort in einem Heuschober. Im frühen Morgengrauen begab er sich zu dem Haus von Giovanni Cavaliere und nach einer kurzen Pause in dessen Haus wollte die Gruppe das Dorf verlassen. Die Anwesenheit des Banditen Zanzanù hatte sich wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet und Gruppen von bewaffneten Personen erwarteten ihn im Ort selbst und auch in der weiteren Umgebung, um ihm jeglichen Fluchtweg abzuschneiden. Geschrei, Schüsse und wütende Befehle empfingen die Gesetzlosen und Zanzanù wurde am Fuß verletzt. Trotzdem gelang es ihm mit seinen Gefährten und dem Entführten, einen Fluchtweg Richtung Norden zu finden. Aber wenige Kilometer von Gardola entfernt, auf dem Pfad, der zur Grenze führte, wurde ihnen der Weg erneut von bewaffneten Personen abgeschnitten. Um sich selbst in Sicherheit zu bringen, ließen die Gesetzlosen Giovanni Cavaliere frei, aber Steingeschosse und Schüsse aus Hakenbüchsen zwangen die Banditen, sich im Wald zu verstecken. Die Belagerung zog sich über viele Stunden hin, immer mehr Gegner der Bande schlossen sich dem Kampf an und wurden von den verschiedenen Dörfern mit Nahrung versorgt. Zanzanù hoffte, dass ein Ausfall in der schützenden Dunkelheit der Nacht für die nötige Verwirrung sorgen würde, um ihm und seinen Gefährten die Flucht zu ermöglichen. Während eines mörderischen Gefechtes gelingt es der Bande sich einen Weg freizukämpfen, allerdings nur Richtung Süden. Doch dort erwartet sie schon eine kampfbereite Menschenmenge, da in der Zwischenzeit auch Hilfe aus Gargnano eingetroffen ist. Das bedeutet das Ende der Bande und als letzter fällt Zanzanù selbst. Man findet ihn tot auf dem Rücken liegend, am Fuße eines großen Felsens zwischen zwei Bächen, die bis zum heutigen Tag durch das Tal, das sich im Osten Richtung Gardola (Valletta delle Fornaci) erstreckt, fließen. Auf diesem Felsen soll noch heute der Abdruck des Gesetzlosen zu sehen sein. Die Feuerwaffen, Gegenstände und Kleidungsstücke der Banditen wurden zu begehrte Trophäen des Sieges über die Zanzanù-Bande.
Einige Monate nach dem Kampf führten die Einwohner von Tignale einen angesehenen Maler an den Ort des Geschehens, um das Szenarium von ihm zur ewigen Erinnerung, in einem Bild festhalten zu lassen. Damit wollten einige Edelleute des Dorfes das einmalige Ereignis feiern und der Madonna di Montecastello, deren Wallfahrtskirche seit Jahrhunderten die umliegenden Dörfer überragte, für den hart erkämpften Sieg über den Banditen Zanzanù danken. Das Gemälde, das 2,48m auf 1,90m misst, ist noch heute in der Wallfahrtskirche zu sehen.
 
Auszug aus „Die Geschichte eines Mannes, der zum Gesetzlosen wurde“ von Prof. Claudio Povolo


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